Hartes Training fürs Comeback

von | Apr 17, 2021

Warum Christopher Kraemer künftig in eine olympische Gewichtsklasse will

Noch ist Christopher Kraemer nicht hundertprozentig fit. Der Kaderathlet des Deutschen Ringer-Bundes ist allerdings auf einem guten Weg der Besserung. Sein größter Konkurrent, Etienne Kinsinger, schaffte vor wenigen Wochen Großes: Der Saarländer löste beim Qualifikationsturnier in Budapest (Ungarn) das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio. Der Bundesliga-Ringer des KSV Köllerbach geht im Limit bis 60 Kilo, Kraemer dagegen bis 63 Kilo, einer nicht-olympischen Gewichtsklasse, auf die Matte. Christopher Kraemer stand dem Kreisboten Rede und Antwort.

Haben Sie mit etwas Wehmut auf das zurückliegende Qualifikationsturnier geschaut?

Kraemer: Eigentlich nicht. Ich habe mich bewusst dazu entschieden und es auch gut überlegt, in eine andere Gewichtsklasse zu wechseln. Aufgrund meiner Verletzung sind Extrembelastungen weiterhin nicht möglich. Ich bin noch nicht an meine volle Leistungsgrenze gekommen. Das Quali-Turnier wäre sowieso viel zu früh für mich gekommen.

Ihre neue Gewichtsklasse bis 63 Kilo ist nicht olympisch. Hat dies keinen Nachteil für Sie?

Kraemer: Im Olympiajahr ist es natürlich ein Nachteil für mich, weil ich mich eben nicht dafür beweisen und auch nicht qualifizieren kann. Sonst ist es eben eine ganz normale Gewichtsklasse, wo Meisterschaften und Turniere stattfinden. Es macht keinen Unterschied. Für mich persönlich ist diese Gewichtsklasse derzeit angenehmer und sinnvoller.

2019 gab es in Kaufbeuren im Rahmen der Deutschen Meisterschaften das Duell mit Etienne Kinsinger. Hier gewannen Sie den Titel vor eigener Kulisse. Freuen Sie sich mit ihm, dass er jetzt das Ticket für Tokio gelöst hat?

Kraemer: Natürlich freue ich mich für ihn. Ich habe mir den entscheidenden Kampf angeschaut. Was er hier geleistet hat, muss man ihm hoch anrechnen. Er hat es sich verdient und das respektiere ich. Es war sein Tag und sein Turnier.

In ihrer neuen Gewichtsklasse gibt es mit Deniz Menekse aus Nürnberg und Andrej Ginc aus Frankfurt/Oder zwei direkte Rivalen. Gerade im Limit bis 60 Kilo mussten sie viel abkochen.

Kraemer: Das stimmt. Jahrelang war dies bei internationalen Aufgaben der Fall. Ich bin des Öfteren am Gewinn einer Medaille gescheitert, weil ich gegen gute Ringer eben knapp verlor.

Um den Traum von Olympia erleben zu können, müssen Sie entweder wieder abkochen bis 60 Kilo oder auf 67 Kilo hochgehen. Zu was tendieren Sie?

Kraemer: Ich habe mir das Ziel gesetzt, in einer olympischen Gewichtsklasse zu stehen. Momentan bin sehr leicht. Von daher ist der Sprung bis 60 Kilo nicht mehr so extrem. Da hatte ich schon andere Zeiten erlebt. Allerdings muss man bedenken, dass ich seit rund anderthalb Jahren verletzt bin. Von daher konnte ich leider nicht frei und durchgehend trainieren. Ich lasse mir beide Optionen offen, da man es langfristig sehen und auch planen muss.

Können Sie sich in Corona-Zeiten gut erholen?

Kraemer: Ich bin momentan außen vor. Die Bundestrainer arbeiten schwerpunktmäßig mit den Olympioniken. Von daher bin ich froh, dass ich mich wieder herankämpfen kann und weiß, dass mein Knie einer stärken Belastung aushalten wird. Ich habe keinen Zeitdruck.

Steht denn schon fest, wann Sie international wieder auf die Matte gehen?

Kraemer: Im Juni werde ich bei den Polen Open, beim Pytlasinski-Turnier,starten. Bis dahin habe ich noch Zeit und kann viel Energie für mein Comeback reinpacken. Ich genieße derzeit meine Aufbauphase und arbeite hier intensiv darauf hin.

Als Kaderathlet haben Sie den Vorteil, dass Sie trotzdem trainieren dürfen. Bleiben Westendorf, Burghausen und Nürnberg weiterhin ihre Stationen?

Kraemer: Ich erhalte vom Bundestrainer wöchentlich einen Plan. Dort weiß ich auch, wo und in welchen Stützpunkten ich trainieren werde. Die meisten nationalen Lehrgänge werden im Olympiastützunkt Heidelberg abgehalten. Auch in Herzogenhorn kommen die Kaderathleten des DRB zusammen.

Wie schalten Sie in Corona-Zeiten ab? Bleibt Zeit für andere Tätigkeiten außer Ringen?

Kraemer: Ich bin viel unterwegs. Wenn ich am Wochenende in die Berge gehe, ist das ein zusätzliches Training für mich. Ich kann das natürlich auch privat verbinden. Für mich ist das allerdings ein guter Tapetenwechsel. Ich genieße es, auch am Wochenende mit dem Fahrrad zu fahren. Das macht mir schon sehr viel Spaß.

Interview: Stefan Günter

#WIRSINDDERTSV

Weitere Beiträge

Aktuelles

Nach Sofia folgt Skopje

Nach Sofia folgt Skopje

Westendorfer Niklas Stechele tritt bei U23-EM in Nordmazedonien an Nach der Welt-Olympia-Qualifikation in Sofia geht Niklas Stechele schon wieder auf Reisen. Der 21-jährige Kaderathlet des Deutschen Ringer-Bundes nimmt am kommenden Montag (17.5.) bei der...

Zurück auf der Matte

Zurück auf der Matte

BRV nominiert vier Westendorfer für DRB-Sichtungsturnier Für Bayerns Kaderringer gibt es am Wochenende wieder etwas Normalität in der Corona-Pandemie. Der Deutsche Ringer-Bund führt zwei Tage lang am Olympiastützpunkt Heidelberg ein Sichtungs- und Nominierungsturnier...

Starker Auftritt in Sofia

Starker Auftritt in Sofia

Niklas Stechele verliert im Achtelfinale bei Welt-Olympia-Quali in Bulgarien Die große Überraschung blieb leider aus: Beim Welt-Olympia-Qualifikationsturnier in Sofia ist der Westendorfer DRB-Kaderathlet Niklas Stechele im Achtelfinale ausgeschieden. Allerdings war...

Deutsche Meisterschaften der Männer und Frauen abgesagt!

Deutsche Meisterschaften der Männer und Frauen abgesagt!

Es ist ein erneuter Rückschlag für die Ringer: Das Präsidium des Deutschen Ringer-Bundes hat nach einer Sitzung entschieden, die Deutschen Einzelmeisterschaften der Männer und Frauen in Frankfurt/Oder (Freistil) und Düren (Griechisch-Römisch) abzusagen. „Das finde ich...

Nächste Chance

Nächste Chance

Niklas Stechele tritt beim Welt-Olympia-Quali-Turnier in Sofia an Sieben Wochen nach der ersten Olympia-Qualifikation in Budapest steht der Westendorfer Niklas Stechele vor der nächsten Bewährungsprobe. Der 21-jährige Kaderathlet des Deutschen Ringer-Bundes bekommt...

Gelungene Integration

Gelungene Integration

Seit vielen Jahren ringen drei Afghanen beim TSV Westendorf Sie sind schon längst sportlich und menschlich angekommen. Das afghanische Trio Nasrat Nasratzada, Edris Fazeli und Farid Arabzahah teilen das gleiche und traurige Schicksal: Alleine, ohne Eltern, kamen sie...

Informativer Austausch am Landesstützpunkt Schwaben in Westendorf

Informativer Austausch am Landesstützpunkt Schwaben in Westendorf

Seltener Besuch in Westendorf: Matthias Fornoff, hauptamtlicher Landestrainer des Bayerischen Ringer-Verbandes (BRV), hat sich am vergangenen Samstag viel Zeit genommen, um sich mit beiden Cheftrainern des TSV Westendorf, Matthias Einsle (Freistil) und Maximilian...

Mit starken Partnern kann es weitergehen

Mit starken Partnern kann es weitergehen

Keine einfachen Zeiten gibt es gerade im Sport und speziell für die Ringer des TSV Westendorf. Der Kontaktsport ist immer einer der Sportarten, die zu den herausfordernden Coronazeiten, sehr spät an Freigaben der Regierung geknöpft sind. Nicht zuletzt wurde die...

Neuer Posten

Neuer Posten

Westendorfs Cheftrainer Maximilian Goßner steigt zusätzlich beim BRV ein Maximilian Goßner ist neuer Leistungssportkoordinator für die Landesstützpunkte des Bayerischen Ringer-Verbandes. Der 29-Jährige koordiniert die Stützpunkte in Anger, München-Ost, Regensburg und...

Großes Erlebnis

Großes Erlebnis

Westendorfer Niklas Stechele scheidet bei Olympia-Quali in Budapest vorzeitig aus Bei der europäischen Olympia-Qualifikation in Budapest ist der einzige bayerische Vertreter in der Freistil-Konkurrenz vorzeitig ausgeschieden. Niklas Stechele vom TSV Westendorf, den...